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Hat Corona das Schreiben verändert?

Corona hat so vieles verändert.

Es hat nicht nur mein Leben, sondern das von allen Menschen auf der Welt auf den Kopf gestellt. Von heute auf morgen habe ich die Kontrolle über zumindest ein paar Dinge verloren.

Meine Arbeit stand und steht auf der Kippe, auch wenn die Kurzarbeit für mich teilweise in der kommenden Woche nach 15 Monaten endet.

Geschrieben habe ich auch vor Corona.

Zwischen Haushalt, Teilzeitarbeit, Kinderbetreuung, Familienzeit und Lektorat. Als Corona kam und wir in den Lockdown gingen, veröffentlichte ich am 20.03.2020 – eigentlich fast mit Tag des Lockdowns – meinen Debütroman.

Es ging in allem unter. Mein Mann und ich wollten das ein wenig feiern, nur wir beide. Essen gehen und einfach mal anstoßen.

Ging nicht.

Corona legte die Familie lahm, weil alle zu Hause waren und die Bedürfnisse der Kinder selbstverständlich an erster Stelle standen. Homeoffice war in dieser Zeit auch noch, erst Ende März kam die 100% Kurzarbeit.

Schreiben rückte in den Hintergrund, vorerst. Und trotzdem brachte ich am 03.07.2020 den zweiten Band meines Romans heraus. Es war allerdings auch weniger wichtig. Weil unser Denken, Fühlen und alles, was dazu gehört, sich nur noch um Gesundheit, Sorgen um unsere Lieben und die Zukunft drehte.

Dann wurde es das neue Normal. Streckenweise gingen die Kinder in die Schule und den Kindergarten. Ich bekam Luft zum Atmen. Konnte neben Familie und Lektorat wieder Schreiben. Immer im Hinterkopf, nicht zu wissen,wann die Arbeit wieder ruft – der Brotjob.

Er tat es nicht. Lange nicht. Und ich plante um. Ich nahm mir Schreibziele vor, nachdem ich im November 2020 noch meinen dritten Band herausgebracht habe.

Kaum traute ich mich, andere Pläne zu machen, endet unverhofft die Kurzarbeit und die Zeit wird wieder knapper.

Es ist gut so. Denn ich mag meinen Job. Ich brauche meinen Job, auch wenn ich gerade in völliger Versagenspanik stecke.

Andererseits hatte ich mich daran gewöhnt, die Zeit frei einzuteilen. Zu Schreiben, wann es passte. Das wird nicht mehr gehen und ich bin traurig, denn es wird mir fehlen. Doch ich kann vom Schreiben nicht leben und werde es wohl auch nicht können. Dazu bin ich nicht gut genug und verkaufe zu wenig. Veröffentliche zu langsam. Doch selbst wenn ich nicht die Arbeit hätte, ich könnte nicht schneller schreiben. Es liegt mir nicht und ich bewundere alle, die es schaffen <3

Corona gab mir die Möglichkeit, mehr Zeit in das Schreiben zu investieren, zumindest, wenn die Lockdowns weniger streng waren und die Kinder ihre Einrichtungen besuchen durften. Aber es fehlte mir auch die Möglichkeit, in der realen Welt Inspiration zu schnuppern.

Wisst ihr, was ich meine? Oft bringen Gesprächsfetzen von Wildfremden neue Ideen oder Situationen, die man erlebt. Wenn Schreibblockaden da sind, hilft ein Perspektivwechsel. Bisher habe ich dafür eben die Arbeit gehabt. Während Corona nicht mehr. Natürlich ist das anders lösbar und wäre ich jetzt für immer in der Lage, als Freie Autorin zu arbeiten, würde mir da auch was einfallen 😉

So gesehen … wären die existenziellen Sorgen und die Ängste bezüglich des Viruses nicht gewesen, so hat Corona mein Schreiben und die Möglichkeit dazu verbessert.

Es wird mir fehlen.

Allerdings natürlich nicht die Krankheit – die uns ohnehin erhalten bleibt und alles, was damit Schlechtes einhergeht. Bitte nicht falsch verstehen.

Aber die Freiheit, die ich dadurch hatte. Doch wer weiß? Vielleicht finde ich den Weg dorthin anders wieder.

Es würde mich freuen.

Rockt euren Sonntag

 

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