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Reich werden mit Instagram … oder Schreiben

Vor wenigen Tagen veröffentlichten die Pinatas auf Instagram einen Beitrag mit der Überschrift:

Reich werden auf Instagram.

Ein cooler Post, wie so viele von den beiden, denn wir sie dann in einer Story noch mal klar machten, geht es dabei nicht primär um Reichtum durch Geld.

Und es hat mich zum Nachdenken gebracht. Natürlich. Denn natürlich ist es cool, wenn man mit Instagram oder Social Media viel Geld verdient, weil man zwar auch hart dafür arbeitet, aber eben so frei ist.

Und das ist man beim Schreiben oder der Arbeit im Freien Lektorat auch. Und ich würde lügen, wenn ich nicht davon träumen würde, vom Schreiben und meinem Lektorat leben zu können. Ohne Brotjob. Und ohne schlechter gestellt zu sein und Angst haben zu müssen, dass es am Ende des Monats eng wird.

Doch ist es das Geld, was uns am Ende glücklich macht? Jetzt muss ich auch dazu sagen: Ja, ich habe leicht reden, denn es geht mir finanziell nicht schlecht. Aber ich bin auch nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren, kenne Arbeitslosigkeit des Ernäherers in der Familie und was das mit der Gefühlswelt eines Kindes anstellen kann. Dennoch waren meine Eltern mir immer ein Beispiel und sind es noch heute. Ich achte auf mein Geld und nur sehr große Anschaffungen laufen über Kredite. Was ich mir sonst nicht leisten kann, gibt es eben nicht. Punkt. Da bin ich ziemlich eisern.

Aber wenn man Not leidet, weil das Geld durchgehend knapp ist, ist das kein Kinderspiel. Im Gegenteil. Es macht einen kaputt. Daher bin ich auch sehr für ein bedingungsloses Grundeinkommen und eine Reform von Hartz IV oder dem Bürgergeld, wie es wohl bald heißen wird. Es gibt dabei so vieles, was ich falsch finde, aber das würde zu weit führen.

Viel Geld ist praktisch, weil man sich dann natürlich keine Gedanken mehr machen muss, ob es reicht. Aber trotzdem finde ich, hat Geld so was von Schönheit. Sie ist verlockend, ebenso wie Geld oder das verdienen von schnellem Geld, doch wenn man hinter die Fassade blickt, ist manchmal eben nicht alles Gold was glänzt. Nun ist Schönheit vergänglich und Geld nicht, könnte man argumentieren … aber na ja, Inflation und Strafzinsen sprechen irgendwie eine andere Sprache, wenn man sich das mal genau überlegt.

Menschen mit viel Geld sind also zufriedener? Mh. Ich kenne keine Millionäre, also kann ich das nicht belegen, aber ich sage aus einem Bauchgefühl heraus: Nein. Das sind sie nicht.

Viele von ihnen werden irgendwann von Habgier geplagt. Wollen mehr, suchen Wege, sich davor zu drücken, Steuern zu zahlen oder oder oder … ob das wohl schön ist?

Und auch die Milliarden auf dem Konto können nicht alles kaufen. Glück zum Beispiel. Es ist unbestechlich. Oder Einsamkeit wegzaubern, wenn man vor lauter Geld nicht mehr weiß, wer Freund und wer Feind ist. Liebe. Klar, denkt ihr jetzt, schaut euch doch die alten Millionäre an mit ihren wunderschönen jungen Frauen. Nun gut. Liebe ist natürlich käuflich. Aber echte Liebe? Rein und von Herzen, ohne Hintergedanken? Wären die Mädels wirklich in allen Fällen auch mit diesen Männern zusammen, wenn sie ein durchschnittliches Einkommen hätten? Well … Ausnahmen soll es ja geben.

Krankheit. Ja, mit mehr Geld ist mehr Behandlung möglich. Aber dem Tod ist es schnurz, wie viel du auf dem Konto hast. Es kann höchstens deine Beerdigung pompöser machen.

Und mal abgesehen davon: Wie hart muss man eigentlich arbeiten, wenn man sich selbst so viel Geld aufs Konto schaufeln will? Mit Sicherheit sehr hart, zumindest am Anfang. Und ob sich das am Ende lohnt? Ich weiß es nicht.

Also. Reichtum sollte man wohl niemals mit Geld gleichsetzen, wie Christine und Karina auch ihrer Story noch mal betont haben.

Und wenn es danach geht, ihr Rockeronies, dann bin ich reich. Ziemlich reich.

Warum?

Weil man mich mit Gucci, Prada und all dem Schickimicki Schnickschnack nicht beeindrucken kann. Im Gegenteil. Gebt mir eine Jogginhose und einen Hoodie, eine Kuscheldecke und ein Buch und dieses Mädchen hier ist glücklich. Und ja, ich versichere euch, das würde sich auch mit Millionen auf dem Konto nicht ändern. Ich gehe nicht gern shoppen, hatte mal einen Highheel Tick, aber auch da muss es nicht Louboutin sein – Gott bewahre. Es würde mir wohl leichter fallen, natürlich, Geld für Kleidung auszugeben, aber ich bin einfach kein Girlygirl und das macht auch Geld nicht aus mir.

Oftmals denke ich eher, dass viele damit auch versuchen, irgendwas anderes zu kompensieren. Auch wenn ich jedem und jeder von Herzen diese Luxusartikel gönne. Wenn man dafür arbeitet, kann man mit Geld machen, was man möchte. Also go for it, ich kaufe es euch nicht weg.

Ich bin reich, weil ich das Glück hatte, zwei gesunde Kinder gebären zu dürfen, auch wenn ich mir natürlich meine Gedanken mache, was sie in diesem Leben auf dieser Welt erwartet.

Eine geborgene Kindheit hat mich ganz gut auf dieses Leben hier vorbereitet und ich bin reich, weil ich meine Eltern noch immer an meiner Seite haben darf – auch wenn es wehtut sie alt werden zu sehen und sich unsere Rollen langsam umkehren. Wie gesagt, ich wurde nicht mit dem goldenen Löffel geboren, aber sie haben mir unendlich viel ermöglicht – vielleicht hatte ich auch das ‚Glück‘ Einzelkind zu sein. Doch heute würde ich viel für ein Geschwister geben.

Ich bin gesund – zumindest nehme ich es an. Wer weiß, was mein Körper da so gerade alles produziert.

Ein wundervoller Herzensehemann ist an meiner Seite und ich bin reich, weil ich noch verheiratet bin. Keine Selbstverständlichkeit nach über 20 Jahren Beziehung und 14 Jahren Ehe.

Gemeinsam ziehen wir an einem Strang und haben uns viele Wünsche erfüllt. Ein schönes Dach über dem Kopf, Urlaub – wenn auch meist nur einmal im Jahr. Gut für die Umwelt ist das allemal.

Würde ich mehr reisen, wenn ich mehr Geld hätte? Mit Sicherheit, denn es zieht mich schon immer in die Ferne. Ich würde mehr Recherchereisen machen. Aber Maß halten, vor allem der Umwelt zu liebe.

Ich habe einen Job, der mich zwar nicht zu 100% erfüllt, aber ich mag meist was ich tue und es füllt den Kühlschrank. Mit meinen Nebentätigkeiten arbeite ich an meinen Träumen und was bin ich nicht reich gesegnet, dass ich das tun darf?

Ich glaube, ich könnte noch unendlich lange weitermachen. Ich bin reich, weil ich in einer Demokratie leben darf, die mich mit ihrem Sozialstaat schützt – und ich höre die Querdenker schon wieder schreien: Welche Demokratie? Ja, die, in der ihr euren Mist absondern dürft, ohne dafür belangt zu werden. (Okay, ich habe Angst um unsere Demokratie, aber das ist was anderes)

Ich durfte zur Schule gehen, was auch nicht allen Menschen auf der Welt gegeben ist. Habe keinen Krieg erleben müssen und muss dies hoffentlich auch nicht …

Würde ich alles zusammentragen, was mir bei längerem Überlegen noch einfallen würde, so wäre ich wohl extrem reich.

Wisst ihr, was mir auch auffällt, wenn ich darüber nachdenke, wie es wäre, wenn ich immense Millionen im Lotto gewinnen würde?

Ich breche mit dem Klischee eines verwöhnten, egoistischen Einzelkindes, denn das Erste was mir einfällt sind andere.

Heute habe ich mir erträumt, dass ich bei uns in der Ggend zwei Grundstücke kaufen würde und alles, was an industriellem Kram draufsteht, abreißen würde. Keine Sorge, ich würde mich darum kümmern, dass alle einen Job bekommen. Aus einem würde ich gern für unseren Ort ein tolles Jugendzentrum machen und finanzieren. Denn das fehlt hier. Vor allem für die Teenager, so bis 25. Dort könnten sie sich treffen, müssten nicht im Winter draußen in einem Park hocken. Auch Cannabis wäre da erlaubt – wird es ja eh bald. Vielleicht könnte ich ihnen einen Pool für den Sommer ermöglichen oder ein Musikstudio. Viele hier rappen gern oder ein Proberaum für Rockbands (fände ich natürlich noch cooler). Einfach ein Ort, wo niemand sie stört. Einzige Bedingung: Kein Rassismus, kein Antisemitismus, keine Ausgrenzung. Ein Ort für alle, egal welcher Religion oder sexueller Orientierung. Hautfarben interessieren mich eh nicht und für mich sind das alles deutsche Kids, schließlich leben sie hier.

Und das andere Grundstück fragt ihr euch? Kennt ihr den Film ‚Notting Hill‘? Mit Sicherheit. Und die vielen kleinen Gärten die darin vorkommen, die nur für eine bestimmte Nachbarschaft sind? Aus dem anderen Grundstück würde ich gern heimlich und anonym genau das für unsere Straße machen. Mit einem schönen Haus, Pool, Grillplatz, Rasenfläche und Gemüseanbau. Dann würde ich allen anonym einen Schlüssel zukommen lassen … Klar, es gäbe ein paar Regeln, aber ach, ich habe so viele tolle Ideen.

Und was würde ich noch machen? Eine Stiftung gründen und mich für Kinder einsetzen. Egal ob in Deutschland oder anderswo. Meine Firma hat eine tolle Hilfsorganisation gegründet, in dem Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sehr aktiv sind und das Geld tatsächlich nicht in einem fetten Adminbereich versickert, sondern alles direkt dort ankommt, wo es gebraucht wird. Das wäre mega. Dafür würde mein Herz schlagen. Ich spende auch jetzt schon regelmäßig dafür, aber wenn ich so viel Geld hätte, wow, was könnte ich alles tolles machen?

Und ja, vielleicht würde ich auch mal mein knapp 20 Jahre altes Auto ersetzen. Aber das wäre nicht mal meine Priorität.

Aber wie gesagt. Ich bin auch so schon unschätzbar reich. Und das mag ich. Auch wenn es nicht für eine Villa oder sonstigen Quatsch reicht.

Rockt on Rockeronies

eure

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