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Adventskalender Türchen 8

Lila

08.12.2025

Als ich am Morgen aufwache, weiß ich schon, ehe ich die Vorhänge zurückziehe, dass es schneit. Es ist das Licht. Es ist so anders, wenn Schnee fällt. Selbst wenn es nur wenig ist. Ich ziehe die Vorhänge zur Seite und beobachte minutenlang, wie zarte Flocken auf den Boden segeln und auf dem Boden liegen bleiben. Es ist wie eine Hypnose, der ich mich hingebe, um bloß nicht an gestern Abend zu denken. An das, was da vor sich gegangen ist. Ich brauche ewig, mich von dem Anblick vor dem Fenster loszureißen – dabei habe ich es schon so oft schneien sehen.

Ich ziehe mich an. Widerwillig und so langsam, dass ich glaube, dass ich gar nicht mehr fertig werde. Als ich wieder in meinem Zimmer bin, setze ich mich auf mein Bett. Im Schneidersitz zwischen meinen Decken und Kissen.

Sehe wieder aus dem Fenster.

Ich sollte etwas tun.

Frühstücken. Meiner Mom helfen, Wäsche waschen, in die Galerie gehen oder … Ich bin seit acht Tagen hier und habe nichts Sinnvolles getan.

Mein Knie schmerzt und ich lege mich ausgestreckt auf mein Bett. Starre die Decke an und denke doch nur an eins: an die Schneeflocke.

Die, von der ich so sicher war, dass ich sie damals mitgenommen habe. Sie bei Tucker im Stand zu sehen, hat mir das Herz zerrissen. Wie weh kann man einem anderen Menschen eigentlich tun? Tja, Lila. Das hast du wirklich super hinbekommen.

Ich schlage die Hände vor mein Gesicht.

Sehe vor mir, wie die Schneeflocke gestern Abend fast gefallen wäre. Wie Tucker sie aufgefangen hat, als wäre es so einfach. Nur ich nicht fähig dazu, es zu tun.

Seine Hände so nah an meinen. Ich hätte mich nicht viel mehr bewegen müssen und hätte seine Hand mit meiner berührt.

Gänsehaut breitet sich auf meinem Körper aus, als ich daran denke, wie er gesagt hat: »Du hast sie nie abgeholt.«

Shit.

Lila, wie konntest du nur wirklich ernsthaft denken, dass du sie mitgenommen hast? Ich presse die Lippen aufeinander und setze mich auf. Ziehe die Beine so eng an meinen Körper, wie es mein geschundenes Knie zulässt, und stütze meinen Kopf auf meinen Knien ab.

Ich erinnere mich. Ich hatte die Zusage aus New York in der Tasche. War euphorisch und ungeduldig. Tucker, der mir stolz die Schneeflocke gezeigt hat. Und ich? Habe kaum hingesehen, weil ich ihm endlich davon erzählen wollte, dass ich meinen Traum leben werde. Mit jedem Wort habe ich ihm das Herz gebrochen, ohne es zu merken. Das weiß ich heute. Weil ich ihn jetzt sehe. Nicht wie damals …

Ach, Lila …

Eine Träne rollt mir über die Wange und ich wische sie weg. Es hilft nichts, in Selbstmitleid zu baden. Ich habe diese Entscheidung damals getroffen. Für mich und damit auch für Tucker. Ohne ihn jemals richtig gefragt zu haben, ob er nicht doch mitkommen würde. Ich habe es einfach so angenommen – vielleicht habe ich auch Angst gehabt, dass er Ja sagt und ich mich dann in New York nicht auf mich und mein Abenteuer konzentrieren kann. Ich bin einfach gegangen.

Und jetzt bin ich wieder hier. Ohne zu wissen, wie es weitergeht.

Die Schneeflocke ist genauso noch in Silver Pines wie Tucker. Aber habe ich überhaupt noch das Recht, mir irgendwas zu erhoffen? Ich muss mit ihm reden. Aber ich merke, dass ich das nicht kann. Vielleicht ist es auch einfach besser, alles zu lassen, wie es ist. Sicher hat er irgendwo eine Freundin und braucht mich nicht mehr in seinem Leben. Er hat so viel erreicht. Und am Ende gehe ich wieder, und dann?

 

Ich zwinge mich, das Haus zu verlassen. Es schneit noch mehr und alles ist ruhig unter der Decke aus Schnee. Ich kann es gar nicht beschreiben, aber es wirkt stiller. Sauberer. Als würde die Welt unter der Schicht aus Schnee zur Ruhe kommen. Wie eine schwere Decke, die es Menschen erlaubt, besser zu schlafen.

Ich schlendere ohne Ziel durch die Gassen, bis ich die kleine Buchhandlung erreiche, nur eine Querstraße vom Winterfestival entfernt. Als ich sie betrete, empfängt sie mich mit dem Duft, den nur diese kleinen Buchhandlungen noch inne haben. Ein warmes, duftendes Labyrinth aus Seiten und Geschichten.

Ich streife zwischen den Regalen entlang, ziehe Bücher heraus – Bildbände für Mom. Thriller für Dad. Nichts bleibt hängen. Obwohl es nicht leer ist in der Buchhandlung sehe ich überall nur Tucker.

Ich sehe ihn vor mir, wie er neben mir am Stand gearbeitet hat. Ruhig. Konzentriert. Mit diesen wunderschönen, großen Händen, denen man fast nicht zutraut, dass sie so filigrane Kunst herstellen können. Doch Tucker kann es. Tucker kann …

Ich schüttele den Kopf und greife das nächste Buch.

»Alles okay, Lila?« Hailey ist neben mir aufgetaucht. Ihr gehört der Buchladen, wir kennen uns noch von früher.

»Ja, ja«, antworte ich und merke, dass ich das Buch in meiner Hand falschherumhalte. Als ich aufsehe, lächelt sie mich an. »Ich suche nur ein Geschenk. Für Dad«, füge ich noch hinzu, als müsste ich mich daran erinnern, dass ich auf keinen Fall etwas für jemand anderen suchen könnte.

Hailey hebt eine Augenbraue und ihr Lächeln wird breiter. Sie nickt in Richtung des Buches in meiner Hand, das ich immer noch falschherum halte.

»Viele, die im Dezember zu mir in die Buchhandlung kommen, suchen eher sich selbst, als Geschenke.«

Hitze schießt mir in die Wangen.

Shit. Das trifft mich mitten ins Herz.

Hailey war schon immer so aufmerksam für die Stimmungen, die von Menschen ausgehen. Ich weiß nicht, wieso sie nicht Psychologie studiert hat. Aber wahrscheinlich lernt man in einer Buchhandlung mehr über das Leben und die Menschen als in diesem Beruf. Ich weiß es nicht.

Mehr als ihr Lächeln zu erwidern, fällt mir nicht ein.

»Falls du Hilfe brauchst, melde dich einfach«, sagt sie und wendet sich ab, ehe sie noch einmal kurz stehen bleibt. »Es ist schön, dass du wieder mal hier bist, Lila.«

Ich nicke. Das haben mir so viele Menschen gesagt. Ich weiß bloß nicht, ob ich das verdiene. Nach dieser Begegnung erfasst mich Unruhe und ich will nicht länger hierbleiben. Als ich ein Buch finde, das ich früher geliebt habe, kaufe ich es und gehe ins Café nebenan.

Es ist neu. Ich kenne die Besitzer nicht und fast überkommt mich ein schlechtes Gewissen, dass ich nicht zu Claire gehe. Aber mit all den Touristen haben wohl beide Cafés ihr Auskommen in Silver Pines. Es ist recht voll, aber ein Pärchen steht auf und ich setze mich an den freigewordenen Tisch am Fenster.

Ich bestelle einen Kakao mit extra Marshmallows, damit ich nicht an Tucker denke. Klappt natürlich nicht. Stattdessen schlage ich das Buch auf und lese die ersten Zeilen. Seiten. Dann ein Kapitel.

Irgendwann merke ich, dass ich nicht mehr umblättere und keine Ahnung habe, was ich da eigentlich gelesen habe.

Meine Gedanken sind nur bei gestern Abend. Ganz egal, was der Held oder die Heldin in dem Buch erleben.

Ich erinnere mich nur an die Aufregung in meinem Magen, als meine Mom mich bat, Tucker zu helfen.

An den Wind, der durch die Straßen gefegt ist. An die Schneeflocke und unsere Hände, die sich so nah kamen. An seine Stimme und vor allem die Spur von Traurigkeit darin, als er gesagt hat: »Du hast sie nie abgeholt.«

Ich atme tief durch. Lege das Buch weg und sehe zu meinem Kakao, der noch immer in der Tasse vor mir auf dem Tisch dampft. Sie ist noch heiß, als ich meine Finger darum schließe. Sanft puste ich den Dampf weg und frage mich, ob es Dinge gibt, die man so leicht wegschieben kann wie den Dampf des Kakaos. Ob es möglich ist, Klarheit in die Vergangenheit zu bringen, oder ob man sie einfach ruhen lassen sollte?

Doch irgendwas in meinem Herzen sagt mir, dass es sich lohnen würde.

Dass die Dinge, die hier geblieben sind, vielleicht doch auf mich gewartet haben.

So wie die Schneeflocke.

Ich will bezahlen, als ich auf einmal jemanden meinen Namen sagen höre.

»Lila? Lila Monroe?«

Als ich aufsehe, entdecke ich eine Frau. Sie ist vielleicht ein paar Jahre älter als ich und hat ein Kleinkind auf dem Arm. Ich runzele die Stirn und es dauert einen Moment, bis ich erkenne, wer da vor mir steht.

»Sophie?« Sophie Sutton! Ich war mit ihr auf der gleichen Ballettschule in Pinewood, nur einige Meilen weg von Silver Pines. Sie ist drei oder vier Jahre älter als ich und sie war immer mein Vorbild. Sie war so unfassbar talentiert, die Beste von uns allen, und hat uns oft noch einige Extrastunden gegeben. Mit ihrer ruhigen Art konnte sie uns die kompliziertesten Schrittfolgen erklären.

»Lila, o mein Gott, wie schön, du bist es wirklich.« Sie tritt näher an den Tisch heran, das Kind auf ihrem Arm zappelt. »Ich habe schon gehört, dass du wieder in Silver Pines bist.« Sie strahlt mich an. »Ich wohne zwar in Pinewood, aber die Wege hier sind kurz, wenn es um Neuigkeiten geht.«

»Ja, ich bin für die Feiertage hier«, erkläre ich, und mein Blick fällt auf das Kind. »Ist das …?«

»Ja, das ist meine Tochter. Molly.« Sophie küsst die Kleine auf die Stirn. »Sie ist jetzt knapp anderthalb, aber seit sie laufen kann, tanzt sie mehr, als dass sie geht. Ich glaube, das hat sie von mir.« Sophie lacht und in meinem Kopf überschlagen sich die Gedanken. Sophie ist hier. In Silver Pines und sie hat ein Kind?

»Setz dich doch«, sage ich und nehme meine Jacke von dem zweiten Stuhl, ehe ich nachdenken kann.

Sie zögert, nickt aber dann. »Gern, aber nur fünf Minuten, dann wird Molly sicher wieder zu unruhig.« Sophie setzt sich, balanciert Emma auf ihrem Schoß. Die Kleine schafft es, sich so viel Platz zu verschaffen, dass sie direkt nach einer der Servietten auf dem Tisch greifen kann, mit der sie wild herumwedelt und Kreise in der Luft beschreibt.

»Tänzerin.« Sophie lacht und ich lächle, auch wenn es sich steif anfühlt. »Immer irgendeine Choreografie im Kopf.« Sie lässt sie gewähren.

»Sie ist süß«, sage ich.

»Danke.«

Kurz senkt sich Schweigen über uns, als wüssten wir nicht, worüber wir noch reden sollten, jetzt, wo wir nicht mehr gemeinsam tanzen.

Sophie sieht mich an, in ihrem Blick etwas, das ich nicht deuten kann. Ist es Neugier? Oder Mitgefühl? Was hat sie gehört über meine Rückkehr?

»Wie lange bist du in der Stadt?«

»Erst mal bis zum 26.« Ich knete meine Hände. »Vielleicht länger, mal sehen. Ich helfe meinen Eltern in der Galerie.«

Sophie nickt und nimmt Molly einen Löffel aus der Hand, den sie auf dem Tisch entdeckt hat.

»Und? New York?«

Ich wusste, dass diese Frage kommen würde. Unser aller Traum war es damals, nach New York zu gehen, und ich dachte immer, dass Sophie die erste ist, die es nicht nur schafft, sondern dort auch große Erfolge feiern wird. Mit einer Hand greife ich nach meinem Kakao, der inzwischen abgekühlt ist. Trinke einen Schluck.

»Ich muss gerade eine Pause einlegen. Ich habe mich verletzt.« Ich deute auf mein Knie. Die Schiene, die ich wie immer über der Hose trage.

»Oh.« Sophie schlägt eine Hand vor den Mund. Alle, die tanzen, wissen, wie schlimm solche Verletzungen sein können. Wie schnell sie passieren und was sie bedeuten können. »Das tut mir leid, Lila.«

Wieder senkt sich Schweigen über uns. Molly strampelt auf ihrem Schoß und Sophie setzt sie auf den weiteren freien Stuhl neben sich. Fischt einen Keks aus ihrer Handtasche und gibt ihn ihrer Tochter, die ihn genüsslich zerpflückt.

»Ich hoffe, du wirst wieder fit«, sagt sie schließlich, ehe sie sich auf die Lippen beißt. Als ob sie sich entscheiden müsste, was sie als Nächstes sagt. »Ich tanze nicht mehr professionell. Schon eine Weile.« Ich nicke, denn mit einem Kind … »Aber ich unterrichte, in unserer alten Ballettschule.« Sie lächelt, als gäbe der Gedanke ihr Kraft. »Nur ein paar Stunden die Woche, wenn mein Mann abends die Kleine nimmt. Und ich schreibe.«

Ich hebe die Augenbrauen. »Schreiben?«

Sophie lacht. »Ja, ich weiß. Das klingt merkwürdig. Aber ich wollte das schon immer machen und jetzt schreibe ich Geschichten über Menschen, die ihre Träume finden. Manchmal anders, als sie es erwartet haben.« Sie wird ein wenig rot und fügt hinzu: »Und über die Liebe. Die manchmal länger braucht, bis sie sie findet.« Mir wird heiß. Müssen wir jetzt über Liebe sprechen? Sophie wischt Molly ein paar Krümel aus dem Gesicht, ehe sie ihr noch einen Keks gibt und auf ihre Hände sieht. »Weißt du«, sagt sie leise. »Eigentlich sollte ich auch in New York sein. Ich habe mich nach dir beworben. Ich glaube, vor acht Jahren und eine Zusage bekommen. Ein Traum, oder?« Sie hebt den Blick und darin liegt Traurigkeit.

»Was? Das wusste ich gar nicht.«

»Warum auch?« Sie lacht. »Du warst ja schon weg.« Ihre Augen glänzen. »Aber ich habe abgesagt, zwei Wochen bevor es losgegangen wäre.«

»Warum?« Ich sage es schneller, als ich sollte. So klingt es, als würde ich sie dafür verurteilen. Sophie beobachtet Molly, die vom Stuhl gerutscht ist und unter den Tisch krabbelt.

»Weil ich mich verliebt habe. In jemanden aus Pinewood. Wir kannten uns schon ewig, ich hätte nie gedacht …« Sie schüttelt den Kopf, in ihrem Lächeln liegt so viel Liebe, dass sich mein Herz zusammenzieht. »Und da habe ich gemerkt, dass New York zwar immer ein Traum war, aber vielleicht nicht unbedingt der, den ich unbedingt verwirklichen wollte. Vielleicht war es eher der von meinen Eltern, von den Tanzlehrern, weil ich gut war und alle erwartet haben, dass ich gar keinen anderen Weg gehen kann, als diesen. Aber mit Emmett? Da war es, als wäre plötzlich alles möglich. Nicht nur New York, sondern eben auch Montana. Alles in Montana. Er wollte nie weg von hier und ich wollte nicht weg von ihm. Wir haben das alles lange besprochen – er hätte mich in allem unterstützt. Aber irgendwann habe ich realisiert, was ich wirklich will und nicht, was ich tun sollte, nur weil es so offensichtlich scheint.« Sie zieht Molly unter dem Tisch hervor und setzt sie sich wieder auf den Schoß. »Also bin ich geblieben, habe Kreatives Schreiben studiert und bei einer Zeitung gearbeitet, bis Molly kam.«

Mein Herz zieht sich zusammen.

»Bereust du manchmal, nicht nach New York gegangen zu sein?«

Sophie sieht mir direkt in die Augen. »Manchmal. Wenn ich mit den Kindern in der Ballettschule trainiere oder jemanden tanzen sehe, der so viel Talent hat, wie man mir immer nachgesagt hat. Oder Aufnahmen von Shows, die ich hätte tanzen können. Wenn ich im Studio bin und etwas zeige, erinnert sich mein Körper daran, was er leisten kann. Dann vermisse ich es.« Sie drückt Molly an sich, die mit einer ihrer Haarsträhnen spielt. »Aber dann sehe ich das hier. Emmett. Molly. Meine Karriere als Autorin. Und ich weiß, dass ich es nicht bereue, hier zu sein. Dann bin ich froh, dass ich gemerkt habe, dass ich nicht nur einen Traum vom Leben habe. Sondern mehrere, und dass es sich lohnt, einen anderen Weg auszuprobieren, auch wenn man vorher dachte, man wäre schon auf dem richtigen.«

Ich blinzle. Meine Augen brennen.

Sophie greift nach meiner Hand. »Lila, du siehst aus, als hättest du Angst, dass dein Leben vorbei ist, weil du jetzt in Silver Pines bist.« Sie sieht auf mein Knie. »Aber selbst, wenn nicht alles wieder gut wird. Es ist nicht vorbei, nur weil du hier bist. Vielleicht fängt es auch jetzt erst so richtig an?«

»Ich weiß nicht, Sophie.« Ich schlucke und hoffe, dass ich nicht in Tränen ausbreche.

»Musst du auch nicht. Lass es einfach auf dich zukommen.« Molly zappelt in ihrem Arm und Sophie steht auf. »Bestraf dich nicht dafür, dass du damals so entschieden hast und du jetzt noch nicht weißt, wie es weitergeht. Man braucht nicht für alles einen Plan, die Kontrolle. Manchmal muss man sich einfach treiben lassen. Wir waren damals so jung und dachten, dass wir wissen, was wir tun. Dabei ist man mit einundzwanzig echt ein Idiot.« Sie grinst. »Und manche bleiben es ein Leben lang.«

Ich lache. Und es ist echt.

»Danke, Sophie.« Und ich meine es. Ihre Worte tun mir gut. Weil sie die Einzige ist, die vielleicht versteht, was in mir los ist.

»Gern. Jederzeit.« Sie wendet sich zum Gehen, bleibt noch einmal stehen. »Ach so. Tucker Boone hat immer nach dir gefragt, wenn ich ihn getroffen habe. Hast du was von Lila gehört? Fast zu süß, wie er sich immer ein wenig überwinden musste, aber er hat nie damit aufgehört.« Sie hebt eine Augenbraue. »Falls du dich je gefragt hast, ob er dich vergessen hat: Hat er nicht.«

Sie winkt noch einmal, dann ist sie weg. Lässt mich im Café mit meinem kalten Kakao und einem Herzen zurück, das sich zum ersten Mal nicht so schwer anfühlt, seit ich hier bin.

Ich zahle, lasse das Buch auf dem Tisch liegen, denn ich werde es sowieso nie lesen, und trete hinaus in das Schneetreiben. Kälte beißt mir ins Gesicht, aber es ist mir egal. Sophies Worte kreisen durch meinen Kopf.

Vielleicht hat sie recht? Ich bin 31. Warum sollte mein Leben vorbei sein, nur weil New York es vielleicht ist? Ich weiß nicht, ob ich es glauben kann. Aber ich weiß, dass ich es herausfinden muss.

Heute Abend gehe ich zum Festival. Nicht wegen der Lichter, der Menschen oder des Kakaos. Die Musik ist mir egal. Ich will mich nicht ablenken. Zum ersten Mal kann ich zugeben, dass ich wegen Tucker hingehe. Weil er diese Schneeflocke all die Jahre aufgehoben hat. Und weil ich diese eine Frage beantworten muss, die ich mich bisher nicht getraut habe zu stellen: Hat er auf mich gewartet?

Ich habe noch 17 Tage, um es herauszufinden.

Na, ist euch was aufgefallen?

Schreibt mir gern einen Kommentar hier oder auf Instagram. Ich löse es auch gern auf, falls ihr es nicht gemerkt habt. Ich konnte mir den Spaß irgendwie nicht verkneifen. 

Rockt on, meine Rockeronies, wir lesen uns morgen, so hoffe ich doch.

Eure

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