Von großen Städten, kleinen Welten und ziemlich großen Träumen
Manchmal sind es die merkwürdigsten Gegensätze, die mich beim Schreiben beschäftigen.
Zum Beispiel dieser:
Eine riesige Stadt kann sich unglaublich eng anfühlen. Und eine riesige Messehalle voller Menschen plötzlich nach Freiheit.
Klingt ein bisschen widersprüchlich? Ist es vielleicht auch, aber genau darüber habe ich in den vergangenen Tagen nachgedacht und schuld daran sind – wie so oft – meine Bücher.
Und die Frankfurter Buchmesse.
Natürlich. 😂
Eine Buchmesse, ein paar wunderbare Menschen und ein großer Traum
Letzte Woche war ich mit Melanie Galsheimer, Julia Rosenberger und ihrem Partner Paul auf der Frankfurter Buchmesse unterwegs und es war einfach wunderschön.
So viele Bücher. So viele Geschichten. So viele Eindrücke und vor allem Menschen, mit denen man die eigene Begeisterung teilen kann. Das ist für mich als introvertierten Menschen nämlich durchaus bemerkenswert. Ich bin nicht unbedingt diejenige, die sich freiwillig in riesige Menschenmengen stürzt. Eigentlich ist mein natürlicher Lebensraum eher ein ruhiger Zimmerwinkel mit einem Buch. Oder mein Schreibtisch mit einer Tasse Kaffee und möglichst wenig Publikumsverkehr. 😂
Aber mit den richtigen Menschen fühlt sich selbst eine volle Buchmesse anders an. Wir haben geredet, gelacht, Bücher entdeckt und natürlich auch welche gekauft. Was soll man schließlich auf einer Buchmesse sonst tun?
Bücher nur ANSCHAUEN?
Bitte, wir wollen doch realistisch bleiben. Und mit Julia gab es wieder einen wunderbaren Büchertausch. Nachdem ich ihren Roman Zwei Wochen ausgelesen hatte, war ich längst neugierig auf die Fortsetzung.
Inzwischen bin ich schon wieder so tief in ihren Geschichten versunken, dass die echte Welt gelegentlich ziemlich ungelegen kommt, aber das ist ein anderes Problem.
Irgendwann zwischen all den Büchern und Gesprächen kam dann natürlich auch dieser Gedanke auf: Wie wäre es eigentlich, selbst einmal hier auszustellen? Nicht nur als Besucherin, sondern mit einem eigenen Stand mit unseren Romanen, mitten auf der Frankfurter Buchmesse.
Und für einen Moment war dieser Gedanke gar nicht so absurd, wie er vielleicht klingt. Natürlich weiß ich, dass dahinter viel Organisation, Geld und Arbeit stecken. Und natürlich müsste ich dann über mehrere Tage mit sehr vielen fremden Menschen sprechen. Als introvertierter Mensch eine vollkommen vernünftige Lebensentscheidung.
HAHAHAHA.
Aber trotzdem. Was wäre, wenn? Dieser Satz begleitet mich wohl nicht nur gerade bei meinem One and a half Book von Sara und Elijah.
Manchmal muss eine Welt erst größer werden
Vor ein paar Jahren hätte ich vermutlich nicht einmal ernsthaft darüber nachgedacht, mit meinen Büchern auf einer Messe zu stehen. Heute habe ich eigene Messestände auf kleineren Veranstaltungen.
Ich spreche mit Leserinnen. Ich treffe andere Autorinnen. Sogar privat. So wie Kerstin Anfang letzter Woche in einem Café in meiner Stadt und es hätte nicht schöner sein können – gut, die Location schon, aber daran arbeiten wir.
Ich sehe Menschen, die meine Bücher in die Hand nehmen, darin blättern und manchmal sogar eines mit nach Hause nehmen. Und ja, manchmal stehe ich trotzdem da und frage mich, was ich eigentlich tue.
Ob ich hierhergehöre. Ob ich nicht vielleicht doch lieber zu Hause geblieben wäre.
Aber dann entstehen diese Gespräche, diese Begegnungen und diese Momente, in denen jemand vor mir steht, der meine Geschichten kennt. Und plötzlich wird etwas, das sich früher völlig unerreichbar angefühlt hat, ein kleines bisschen selbstverständlicher.
Vielleicht ist das mit Träumen manchmal so. Man muss nicht sofort wissen, wie man sie verwirklicht. Manchmal reicht es, wenn man sich erst einmal erlaubt, sie überhaupt zu haben.
Ein eigener Stand auf der Frankfurter Buchmesse.
Ich lasse diesen Gedanken jetzt einfach mal hier stehen. Mal sehen, was Future Sophie irgendwann damit anfängt. Die hat schließlich Erfahrung mit meinen völlig vernünftigen Ideen.
😂
Und dann gibt es Welten, die immer kleiner werden
Während ich also über große Messehallen und noch größere Träume nachdenke, beschäftige ich mich beim Schreiben gerade mit dem genauen Gegenteil.
Mit Sara und mit New York.
Im neuen zweiten Band ihrer Geschichte mit Elijah spielt die Stadt eine wichtige Rolle.
New York im Herbst.
Bunte Blätter im Central Park. Menschen mit Kaffeebechern in der Hand. Gelbe Taxis. Hochhäuser. Cafés. Millionen Menschen, die jeden Tag ihren eigenen Geschichten nachgehen.
Eigentlich eine Stadt voller Möglichkeiten. Eigentlich. Denn für Sara wird diese Welt immer kleiner. Nicht, weil New York sich verändert, sondern weil sich ihr Leben verändert. Und das alles wegen eines Mannes.
Manchmal reichen die Grenzen, die ein anderer Mensch nach und nach in deinem Kopf errichtet und plötzlich ist selbst eine Stadt wie New York nicht mehr groß genug.
Wenn ein Schauplatz mehr erzählt als die Handlung
Ich liebe es, wenn Orte in einer Geschichte nicht nur Kulisse sind. Wenn sie etwas darüber erzählen, wie eine Figur die Welt erlebt. Denn dieselbe Straße kann für zwei Menschen vollkommen unterschiedliche Bedeutungen haben.
Für den einen ist sie ein Versprechen. Für den anderen ein Ort, an dem er sich verloren fühlt.
Ein Fenster kann einen wunderschönen Blick bieten oder eine Grenze sein.
Und bei Sara spielt genau dieses Bild eine wichtige Rolle, denn sie ist Fotografin. Sie beobachtet Menschen. Licht. Bewegungen. Kleine Momente. Sie ist es gewohnt, die Welt durch einen bestimmten Ausschnitt zu betrachten und dann steht sie irgendwann selbst am Fenster.
Schaut hinaus. Sieht das Leben auf der anderen Seite der Scheibe, aber Beobachten ist eben nicht dasselbe wie Teilnehmen.
Ich finde dieses Bild unglaublich stark. Nicht, weil ich beim ersten Schreiben mit einem hochprofessionellen Symbolkonzept vor meinem Manuskript gesessen hätte.
Ich wäre gern diese Autorin, bin ich aber nicht. 😂
Manchmal entstehen solche Dinge einfach und erst beim Überarbeiten merke ich:
Oh. OH. Das erzählt ja noch viel mehr, als ich ursprünglich gedacht habe.
Genau das liebe ich an diesem Prozess.
Ich entdecke meine eigenen Geschichten manchmal noch einmal neu.
Zwei völlig unterschiedliche Welten
Und vielleicht hat mich deshalb der Tag auf der Frankfurter Buchmesse so beschäftigt.
Natürlich kann man meine eigenen kleinen Unsicherheiten auf einer Buchmesse nicht mit Saras Situation vergleichen. Das sind vollkommen unterschiedliche Dinge, aber dieser Gedanke darüber, wie wir Orte wahrnehmen, ist mir trotzdem geblieben.
Wie sehr unser Erleben davon abhängt, was ein Ort für uns bedeutet.
Für Sara ist New York eine riesige Stadt, in der ihre Möglichkeiten immer kleiner werden.
Für mich war Frankfurt an diesem Tag ein riesiger Ort, an dem sich plötzlich neue Möglichkeiten gezeigt haben.
Und vielleicht ist genau das der Grund, warum ich so gern Geschichten schreibe, weil ich durch meine Figuren immer wieder neu darüber nachdenke, was Freiheit eigentlich bedeutet. Was Zuhause bedeutet und wie viel sich verändern kann, ohne dass sich die Welt um uns herum sichtbar verändert.
Und jetzt?
Jetzt sitze ich wieder an meinem Schreibtisch.
Die Frankfurter Buchmesse liegt hinter mir.
Die LEIGA rückt näher.
Trust Me To Return ist inzwischen erschienen, und die frisch gedruckten Exemplare haben sogar einen beinahe verhängnisvollen Kontakt mit unserem Altpapier überlebt.
Ja.
Mein Mann hätte meine neuen Bücher fast entsorgt. Wir reden irgendwann darüber. Vielleicht.
😂
Und während Grayson und Julian jetzt ihren Weg zu den Leser:innen finden, kehre ich langsam wieder zu Sara und Elijah zurück.
Zu New York und zu einer Geschichte, die ich schon lange erzählen wollte.
Außerdem zu einem neuen zweiten Band, dessen Titel ich weiterhin sehr erfolgreich geheim halte.
SEHR ERFOLGREICH.
Ich möchte bitte kurz festhalten, dass ich ihn bisher nicht versehentlich irgendwo veröffentlicht habe. Sieht man mal von meiner eigenen Webseite ab. Aber gut, wer will kleinlich sein? 😇
Vielleicht ist das also mein Gedanke für diese Woche:
Manchmal muss eine Welt erst wieder größer werden.
Für meine Figuren und vielleicht gelegentlich auch für mich. Und wer weiß? Vielleicht stehe ich irgendwann tatsächlich mit meinen Büchern auf der Frankfurter Buchmesse. Bis dahin träume ich einfach noch ein bisschen weiter und schreibe Geschichten über Menschen, die ihren eigenen Weg zurück ins Leben finden müssen.
Love. Drama. Repeat. 🖤
Eure
PS:
In meinem wöchentlichen Newsletter „Sophie schreibt …“ nehme ich meine Rockeronies jeden Samstag mit hinter die Kulissen.
Mit meinem Backstage Pass gibt es dort exklusive Ausschnitte, Figurenmomente, Deleted Scenes und Einblicke in die Entstehung meiner Geschichten.
Zuletzt haben wir beispielsweise eine Szene aus meinem Debüt Flash Fame mit ihrer überarbeiteten Fassung aus We Were Never Safe verglichen.
Und keine Sorge: Es geht nicht immer so nachdenklich zu wie heute.
Manchmal explodieren auch einfach Produktionshallen.
Kassia ist schuld.
😂