Wenn die Autorin keine Zeit zum Schreiben hat
Ich habe diese Woche nichts geschrieben.
Kein Kapitel. Keine Szene. Nicht einmal einen besonders schönen Satz, den ich mir irgendwo für später notieren könnte.
Gar nichts.
Und das, obwohl ich gerade mitten in der Überarbeitung eines Romans stecke. Obwohl ich eigentlich unbedingt zurück zu Sara und Elijah möchte. Obwohl ich mir fest vorgenommen hatte, endlich mit der neuen Erzählperspektive loszulegen.
Nun. HAHAHAHA. Das Leben hatte andere Pläne.
Autorin sein ist nicht mein einziger Job
Ich glaube, wenn man Bücher veröffentlicht, entsteht manchmal der Eindruck, dass man den ganzen Tag mit einer Tasse Kaffee vor dem Laptop sitzt und Geschichten schreibt, vielleicht mit schöner Musik im Hintergrund. Einer Kerze und einem perfekt aufgeräumten Schreibtisch.
Ich möchte an dieser Stelle kurz festhalten, dass ich diesen Arbeitsplatz auch gern hätte.
Meiner sieht meistens anders aus und vor allem sitze ich dort nicht den ganzen Tag und schreibe Romane, weil ich davon nicht leben kann. Also habe ich noch einen anderen Job.
Einen, den ich mal mehr mal weniger gern mache. Einen, der aber natürlich Zeit und Energie kostet und manchmal auch ziemlich viel davon. In der vergangenen Woche bedeutete das unter anderem Arbeitstage von zwölf Stunden.
ZWÖLF.
Und danach? Danach war mein Gehirn fertig. Nicht ein bisschen müde. Nicht „Ich mache mir jetzt einen Kaffee und schreibe noch zwei Stunden“. Sondern fertig. Laptop zu. Feierabend.
Bitte keine weiteren Anforderungen an meine verbliebenen Gehirnzellen.
Danke.
😂
Und wo bleibt jetzt das Schreiben?
Das ist die Frage, die mich in solchen Wochen am meisten beschäftigt, denn die Geschichten verschwinden ja nicht einfach, nur weil ich keine Zeit habe.
Sara und Elijah sind immer noch da. Der neue Roman wartet darauf, überarbeitet zu werden und ich weiß inzwischen ziemlich genau, was ich ändern möchte.
Ich habe beschlossen, die Geschichte nicht mehr in der Ich-Perspektive und im Präsens zu erzählen, sondern in der dritten Person und im Präteritum. Eine große Entscheidung.
Eine, auf die ich mich freue und eine, die sehr viel Arbeit bedeutet, aber dafür müsste ich eben auch irgendwann wieder an meinem Manuskript sitzen.
Kleines Detail am Rande. 😂
Natürlich könnte ich versuchen, jeden Abend noch ein paar Sätze zu schreiben. Mich zwingen, wenigstens eine halbe Stunde dranzubleiben, denn schließlich hört man ständig, dass man als Autorin regelmäßig schreiben soll.
Am besten jeden Tag. Eine feste Routine. Keine Ausreden. Disziplin und ich verstehe durchaus, warum solche Routinen für viele Menschen funktionieren.
Aber ich glaube nicht, dass es besonders sinnvoll wäre, mich nach einem Zwölf-Stunden-Arbeitstag noch an meinen Roman zu zwingen, nur damit ich hinterher behaupten kann, etwas geschafft zu haben.
Manchmal ist einfach nichts mehr übrig und das muss ich akzeptieren, auch wenn es mich nervt.
Sehr.
Schreiben ist nur ein Teil des Autorinnenlebens
Was die Sache besonders absurd macht: Selbst wenn ich nicht an meinem Manuskript arbeite, bin ich trotzdem ständig mit meinen Büchern beschäftigt.
Da ist meine Website. Mein Newsletter. Social Media. Die Organisation von Buchmessen. Die Vorbereitung von Marketingmaterial. Die Kommunikation rund um meine Veröffentlichungen und natürlich all die kleinen Dinge, die im Hintergrund passieren und die niemand sieht, denn als Selfpublisherin bin ich nicht nur Autorin. Ich bin auch meine eigene Marketingabteilung. Meine eigene Projektmanagerin. Meine eigene Social-Media-Verantwortliche und gelegentlich die Person, die verzweifelt versucht herauszufinden, warum auf ihrer Website schon wieder irgendetwas nicht funktioniert.
Ich wollte doch nur Bücher schreiben 😂
Natürlich habe ich mich bewusst fürs Selfpublishing entschieden und ich liebe die Freiheit, meine Geschichten so erzählen und veröffentlichen zu können, wie ich es möchte. Aber diese Freiheit bedeutet eben auch Verantwortung und eine ziemlich lange To-do-Liste.
Eine, die offenbar beschlossen hat, sich selbstständig fortzupflanzen.
Und dann ist auch noch Buchmesse
Als wäre die Woche nicht schon voll genug gewesen, stand dieses Wochenende die LEIGA an. Eine Buchmesse.
Mit echten Menschen. Und meinen Büchern. Und mir.
Einer introvertierten Autorin😂.
Ich freue mich auf solche Veranstaltungen. Wirklich, denn es ist etwas Besonderes, die eigenen Bücher nicht nur auf dem Bildschirm oder im Regal zu sehen, sondern sie anderen Menschen persönlich zeigen zu können.
Mit Leserinnen zu sprechen, andere Autorinnen zu treffen und zu erleben, wie Geschichten Menschen miteinander verbinden.
Aber Buchmessen bedeuten auch Vorbereitung.
Organisation, Aufbau, viele Eindrücke, viele Gespräche und gerade für jemanden wie mich kostet das Energie.
Energie, die nach dieser Arbeitswoche ohnehin schon ziemlich knapp war und trotzdem wollte ich dort sein, weil ich meine Bücher liebe.
Weil ich möchte, dass Menschen sie entdecken und weil ich weiß, dass solche Begegnungen ein Teil dessen sind, warum ich überhaupt angefangen habe, meine Geschichten zu veröffentlichen.
Allerdings ging es dieses Mal echt in die Hose und ich bin ziemlich traurig nach Hause gefahren. Aber das ist ein anderes Kapitel.
Ob sich jede Messe wirtschaftlich lohnt, ist noch einmal eine ganz andere Frage, aber nicht jeder wertvolle Moment lässt sich an verkauften Büchern messen.
Vielleicht muss nicht jede Woche produktiv sein
Ich glaube, das ist etwas, das ich selbst noch lernen muss.
Dass ich nicht jede Woche einen sichtbaren Fortschritt vorweisen muss. Nicht jede Woche ein Kapitel fertigstellen. Nicht jede Woche etwas Neues ankündigen. Nicht jede Woche das Gefühl haben, auf allen Hochzeiten gleichzeitig tanzen zu müssen, denn manchmal reicht die Energie eben nur für das, was gerade dringend erledigt werden muss.
Und das bedeutet nicht, dass meine Geschichten weniger wichtig geworden sind oder dass ich weniger gern schreibe.
Es bedeutet einfach, dass ich neben meinen Büchern noch ein Leben habe mit Verpflichtungen. Mit Menschen, die mich brauchen. Mit einem Beruf und mit Tagen, an denen ich abends schlicht nicht mehr kann.
Ich bin Autorin, aber ich bin eben nicht ausschließlich Autorin und vielleicht darf ich mir das gelegentlich selbst in Erinnerung rufen.
Die Geschichten laufen nicht weg
Sara und Elijah werden noch ein bisschen warten müssen, denn die neue Fassung ihres Romans entsteht nicht über Nacht.
Und vermutlich auch nicht nächste Woche vollständig. Wäre ja auch zu schön 😂.
Aber ich werde zu ihnen zurückkehren, weil ich ihre Geschichte erzählen möchte.
Nicht, weil ich irgendeinen selbst gesetzten Zeitplan erfüllen muss, sondern weil ich diese Figuren liebe und weil ich glaube, dass sie es verdient haben, dass ich mir die Zeit nehme, die ihre Geschichte braucht.
Vielleicht schaffe ich nächste Woche wieder ein Kapitel. Vielleicht nur ein paar Seiten. Vielleicht auch gar nichts. Das wird sich zeigen.
Was ich allerdings ziemlich sicher weiß: Ich werde irgendwann wieder vor meinem Manuskript sitzen. Einen Satz lesen. Die Stirn runzeln und irgendetwas ändern.
Und vermutlich denken: Vergangenheits-Sophie, wir müssen reden. Schon wieder.
😂🖤
🎬 Und weil ich offenbar noch nicht genug zu tun habe …
… habe ich beschlossen, auf TikTok ab sofort auch noch ein bisschen zu ranten.
Ja, richtig gelesen.
Ich. Die introvertierte Autorin. Die Frau, die sich ohnehin schon fragt, woher sie die Zeit für all ihre Projekte nehmen soll.
Und jetzt mache ich auch noch den Mund auf 😂.
Der Auslöser waren unter anderem meine Erfahrungen auf den letzten Buchmessen.
Denn wenn man mit seinen Büchern an einem Stand steht und immer wieder erlebt, wie Menschen daran vorbeigehen, macht das etwas mit einem.
Natürlich kann das viele Gründe haben. Und natürlich kann man als Autorin auch Entscheidungen treffen, die nicht besonders glücklich sind.
Kritik ist erlaubt. Kritik ist wichtig. Und manchmal tut sie verdammt weh. Aber ich möchte nicht einfach nur darüber jammern, dass meine Bücher zu wenig Aufmerksamkeit bekommen.
Ich möchte über die Dinge sprechen, die mir in der Buchbubble auffallen.
Über Geschichten, die sich nicht so einfach in eine Schublade stecken lassen. Über Erwartungen an Romance. Über Selfpublishing und darüber, warum es manchmal gar nicht so leicht ist, die richtigen Leserinnen für ein Buch zu finden.
Ab jetzt montags. Ein bisschen Buchbubble. Ein bisschen Meinung. Und vermutlich gelegentlich ein bisschen Eskalation.
Ich bin übrigens keine Buchbubble-Expertin. Eher im Gegenteil. Das ist meine ganz persönliche Sicht auf die Dinge und ich bin gespannt, welche Diskussionen daraus entstehen.
Falls ihr also Lust habt, mir beim gepflegten Ranten zuzusehen, schaut auf TikTok vorbei.
Ich verspreche nichts.
Außer, dass ich vermutlich irgendwann wieder denke: Warum habe ich mir noch mehr aufgehalst?
😂🖤
💌 Mehr aus meinem Autorinnenleben?
In meinem wöchentlichen Newsletter „Sophie schreibt …“ nehme ich meine Rockeronies jeden Samstag mit hinter die Kulissen.
Mit dem BACKSTAGE PASS gibt es exklusive Einblicke in meine Bücher, Figuren und Manuskripte – von unveröffentlichten Szenen bis zu kleinen Interviews mit den Menschen aus meiner Cursed-Instant-Welt.
Und manchmal gibt es auch einfach ehrliche Einblicke in das Chaos hinter den Kulissen.
Mit ganz viel Herz und love, drama, repeat
eure 🖤